BMBF – Mittelstandskonferenz 2018

Anfang der Woche war ich an der „BMBF – Mittelstandskonferenz 2018“. (Offizieller Link hier)

Hauptthemen sind die Digitalisierung und der dadurch entstehende Wandel in der Arbeitswelt und der Gesellschaft. Es wurden Themen wie Datenschutz, Datensicherheit und auch der Datenbesitz diskutiert. Außerdem ging es um den „sinnvollen“ Umgang mit Daten und Digitalisierung im Bezug auf Arbeitsbedingungen, Qualifizierung von Mitarbeitern und die Einsetzbarkeit von Mitarbeitern bei bestimmten Tätigkeiten.

Im Folgenden versuche ich einige Eindrücke und Themen aus meiner Sicht wiederzugeben.

KMU treiben die Digitalisierung in Deutschland

Bereits in der Keynote von Herr Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas des BMBF wurde klar, dass die treibende Kraft in Deutschland nicht von Großkonzernen, sondern von den KMU ausgeht.

Er bezeichnete die Großkonzerne als Frachtschiffe und verglich sie mit den KMU als kleine Yachten (der Vergleich passt perfekt zu unserer Bildsprache). Die KMU sind am Markt und in ihren Handlungen wesentlich wendiger und agiler als die großen Konzerne Deutschlands.

Gemessen an den vergebenen Mitteln für die Forschung in der Digitalisierung habe es in den letzten Jahren eine Verschiebung gegeben. Noch vor einigen Jahren sind lediglich wenige Prozente der Mittel an KMU ausgegeben worden. Das Verhältnis der vergebenen Mittel habe sich quasi in den letzten Jahren umgekehrt, sodass im letzten Jahr ca. 70% aller Fördermittel (IKT2020) in den Mittelstand geflossen sind.

Im anschließenden Impulsvortrag von Frau Prof. Dr. Friederike Welter (Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn und Professorin an der Universität Siegen) wurde weiter darauf eingegangen, dass auch die Mitarbeiter der einzelnen Unternehmen an der Digitalisierung teilhaben müssen. Es ist also zwingend für alle führenden Unternehmen ihre Mitarbeiter entsprechend mitzunehmen und zu qualifizieren.


Fachkräftemangel hindert aber besonders die KMU

Der Fachkräftemangel hindert gerade in der Digitalisierung Deutschlands mehr und mehr die Firmen daran ihre innovativen Ideen oder neuen Geschäftsmodelle auch in den Markt zu bringen.

Hierauf wurde besonders von Martin Kamp, Leiter des Berliner Büros des IG Metall-Vorstandes und der AG „Arbeit, Aus- und Weiterbildung“ der Plattform Industrie 4.0, eingegangen.

Er stellte nochmals die Notwendigkeit der Aus- und Weiterbildung in den Vordergrund und merkte an, dass hier auch von Seiten der Politik noch Handlungsbedarf bestehe. Aus einer Studie ginge hervor, dass die Digitalisierung in den nächsten 5 Jahren etwa 1,4 Mio. Arbeitsplätze vernichten werde. Dem gegenüber stehe aber eine Hochrechnung, dass sie ebenfalls ca. 1,8 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen wird. Wir stehen also vor der Aufgabe viele Menschen in die Lage zu versetzen diese neuen Aufgaben zu übernehmen.

Fachkräftemangel hindert aber besonders die KMU

Wenn das Licht ausgeht, Thema Datensicherheit

Bei der Podiumsdiskussion mit Albert Premer (escos automation GmbH, Berlin, Projekt SHODAN), Karl-J. Wack (let‘s dev GmbH & Co. KG, Karlsruhe, Projekt DaSoMan), Dr. Christian Zenger (PHYSEC GmbH, Bochum, Projekt SecureFog) und Christian Horn (Fraunhofer IPK, Berlin, Projekt EnerSec) ging es im Kern um die Sicherung und Absicherung von Daten und kritischen Systemen.

Es wurde klar, dass der Schutz privater Daten über die DSGVO nur der Anfang sein kann. Gerade Herr Horn beschäftigt sich Hauptsächlich mit dem Schutz von kritischen Systemen welcher nicht zwingend nur präventiv, sondern auch reaktiv abgesichert sein sollten. Eine gute Firewall und Virenscanner seinen in Zukunft immer noch unerlässlich, jedoch werden Erkennungssysteme welche Angriffe reagieren oder manipulierte Daten aufspüren zukünftig noch viel größere Bedeutung erlangen. Das Projekt EnerSec wird hierbei primär für den Schutz der Elektrizitätssysteme in Deutschland eingesetzt um diese vor Angriffen zu schützen.

Auch die anderen vertretenen Projekte beschäftigten sich mit der Absicherung von Daten gegenüber intransparenten oder unautorisierten Zugriffen. Beispielsweise geht es im Projekt SHODAN darum Smart Home Geräte in Altenpflege-Einrichtungen zentral abzusichern, sodass die Kommunikation der Einzelgeräte überwachbar und der Datenfluss analysierbar wird. Der Benutzer soll hierdurch selbst Einsicht in die Kommunikation der Geräte erhalten und eine Aussage über den Inhalt bekommen.

Interessant ist hier, dass es eine gleichnamige Suchmaschine im Web gibt, welche den genau umgekehrten Zweck erfüllt. Sie sucht nämlich nach Smart Home Geräten, welche aus dem Netz heraus angreifbar sind: https://www.shodan.io/

Leider habe ich es nicht geschafft mit ihm über diesen Zusammenhang zu diskutieren.

DSGVO und deren Umsetzung

Dass die DSGVO nicht gerade „explizit“ aufzeigt was erlaubt oder verboten ist wurde bereits ausführlich diskutiert. Darauf ist auch Frau Marit Hansen, Leiterin des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) Schleswig-Holstein, ausführlich eingegangen.
Sie erklärte nochmals ausdrücklich, dass die Umsetzung der DSGVO in Deutschland an sich sehr gut voran gehe, allerdings auf dem Markt viele unterwegs seien, welche aus „der Unsicherheit“ Kapital schlagen wollen.

Insbesondere bei Unstimmigkeiten oder Regeln welche mehrdeutig ausgelegt werden könnten, werde noch viel zu wenig darauf zurückgegriffen die öffentlichen Stellen zu kontaktieren. Sie machte deutlich, dass es nicht notwendig ist immer auf teure „externe Fachkräfte“ zurück zu greifen.

Vom Land Baden-Württemberg gibt es Beispielweise ein öffentliches FAQ in dem häufige Probleme und Fragen veröffentlich werden: https://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/faqs/

Die typische Klingelschild und Visitenkarten Diskussion fand natürlich auch hier statt. Das Ergebnis relativ eindeutig, „Kopf einschalten und den gesunden Menschenverstand benutzen“. Wenn mir z.B. jemand eine Visitenkarte gibt, dann tut er dies aus freien Stücken und ich darf die Daten auch in mein CRM einpflegen, ein schriftliches Einverständnis ist hierfür nicht notwendig. Beachten sollte ich allerdings, dass ich den Kontakt irgendwann wieder löschen muss.

Natürlich wurden auch die Strafen angesprochen, diese würden aber erst angesetzt, wenn vorher mehrere Stufen ignoriert werden. Das Amt würde erst prüfen und informieren, in weiteren Schritten ggf. eine Verwarnung aussprechen und danach vielleicht eine Abmahnung androhen. In Deutschland gäbe es aber bislang nur drei Mahn-Verfahren welche wirklich verfolgt werden und diese sind von der Maximalstrafe von 20 Mio. noch sehr weit entfernt.

Vorgestellte Projekte

Es wurden viele Projekte mit insgesamt über 70 Demonstratoren und 120 Postern vorgestellt. Für mich als Entwickler war das Projekt SOPHIE am interessantesten. Das Projekt beschäftigt sich mit der Analyse von Software in ihrem Lebenszyklus und bewertet das Risiko in Softwareprojekten.

Außerdem sehr interessant das Thema Arbeitsplatz Optimierung. Hier wurde mit dem Projekt VirtualAging ein bestehendes Problem in der Fertigung angegangen. Gerade ältere Menschen können häufig nicht mehr voll eingesetzt werden, was sowohl für die Firmen als auch für die Mitarbeiter nicht zufriedenstellend ist. Durch eine Simulation von Alters- oder Krankheitsbedingten körperlichen Einschränkungen im digitalen Zwilling ist für VW eine Fertigungsstraße für Elektro-Roller entstanden. In diese werden ab März nächsten Jahres ausschließlich Mitarbeiter mit Einschränkungen eingesetzt und die Fertigungsplätze passen sich hierbei auf die persönlichen Bedürfnisse der Arbeiter an.

Eine Liste mit allen geförderten Projekten ist hier veröffentlicht: https://www.softwaresysteme.pt-dlr.de/de/forschungsvorhaben-kmu.php

Das Abendprogramm

Auch abends waren noch viele interessante Themen im Programm enthalten. Diese wurden im Rahmen eines Science Slam dargeboten und brachten wissenschaftliche schwierige Themen in leicht verdauliche Form. Natürlich gab es dazu auch Berliner Pilsener, leider in viel zu kleinen Flaschen 😉